Archiv für Mai 2008

Amt für Grundsicherung in Erkner entlässt NPD-Kader

Das Amt für Grundsicherung hat den Vorsitzenden der NPD in Schöneiche, Florian Stein, entlassen und mit Hausverbot belegt. Der 24-jährige Student hatte in der Regionalstelle in Erkner (Landkreis Oder-Spree) seit mehreren Wochen ein Praktikum gemacht. In dieser Position hätte er auch Zugriff auf sensible Daten über mögliche politische Gegner oder potentielle Wähler nehmen und diese mißbräuchlich verwenden können.

Diese Informationen wurde der Antifa Erkner vor einigen Tagen bekannt, woraufhin am Dienstag die Hauptverwaltung in Beeskow und die Regionalstelle in Erkner informiert wurde. Eine Mitarbeiterin in Erkner zeigte sich überrascht und entsetzt über diese Tatsache, meinte jedoch, auf arbeitsrechtlicher Ebene sei nicht viel dagegen zu unternehmen. Umso überraschender und erfreulicher, das sich dies auf Betreiben des Dezernenten Rolf Lindemann schnell änderte. Lindemann verbot Stein am Mittwoch umgehend nach Bekanntwerden seiner Funktion bei der NPD den Zutritt zu den Räumen des Amtes und Eckhard Fehse (Beigeordneter des Landkreises) unterschrieb die Kündigung und schickte sie ihm hinterher.

Der Sprecher der Antifa Erkner, Michael Koch, dazu: „Wir begrüßen die zügige und konsequente Entfernung des Herrn Stein aus dem Amt für Grundsicherung. Für NPD-Mitglieder und andere Nazis darf in Institutionen einer demokratischen Gesellschaft kein Platz sein. Der Kampf gegen Nazis darf jedoch nicht nur auf administrativer Ebene geführt werden, sondern in der ständigen Auseinandersetzung mit deren menschenverachtenden Gedankengut.“

Stein, der scheinbar dem Umfeld der gewalttätigen „Kameradschaft Oder-Spree“ entstammt, hatte bereits zuvor versucht in öffentliche Positionen zu gelangen. So bewarb er sich 2007 als „Koordinator gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Rassismus und Gewalt“ der Gemeinde Schöneiche.

Provokationen wie diese dienen offensichtlich dazu, sich bekannt zu machen und das eigene Klientel zu bedienen.
Vor allem vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen in Brandenburg im Herbst und der Landtagswahl im folgenden Jahr ist das sicherlich kein Zufall.

Antifaschist Walter Sack gestorben

Wir trauern um den Antifaschisten Walter Sack, dessen langes Leben am 29.04.2008 endete. Walter Sack ist am 26.12.1915 geboren und kam aus einer jüdischen Familie. Er schloss sich schon früh der sozialdemokratischen Jugend an. Später war er dann im kommunistischen Widerstand gegen den Faschismus tätig. Organisiert war zu dem Zeitpunkt in der Herbert-Baum-Gruppe. Er überlebte die Zeit des Nationalsozialismus im Exil in Schweden.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus war Sack weiterhin im Kampf für Sozialismus und gegen Faschismus politisch aktiv, so war er zwischen 1961 und 1974 zweimal Bezirksbürgermeister von Berlin-Treptow und aktiv im Bund der Antifaschisten – Treptow e.V. (BdA).

Die Trauerfeier findet am Sonnabend, dem 17. Mai 2008, um 11 Uhr in der Trauerhalle des Krematoriums Berlin-Baumschulenweg, Kiefholzstraße 221 statt.

Ein Portrait über Walter Sack und den jüdischen Widerstand in Berlin: »Wir hatten noch geglaubt, so schlimm würde es nicht werden«

Rechte Propagandaoffensive in Woltersdorf

Am 11. Mai wurde Rüdersdorf und in Woltersdorf, hauptsächlich in der Vogelsdorfer-, Baumschulen- und Wilhelm-Tell-Straße, Aufkleber rechten Inhaltes bis Größe A5 flächendeckend vor allem an Verkehrsschildern und Laternen angebracht.
Wieder einmal stammen diese von rechten Gruppen aus dem Raum Franken wie z.B. NPD-Nürnberg, Anti-Antifa Nürnberg, NPD-Mittelfranken und JN-Bayern.
Antifaschist_innen entfernten bereits am nächsten Tag sämtliche Aufkleber, insgesamt über 100.
Außerdem wurden in der Straße Am Stolp in Rüdersdorf volksverhetzende Schmierereien, wie z.B mehrere Hakenkreuze und SS-Runen, entdeckt.

werdet aktiv!

Tag der Befreiung in Schöneiche und Erkner

Am 8. Mai fanden in der Region mehrere Gedenkveranstaltungen anläßlich des Jahrestags der Befreiung der Welt vom Nationalsozialismus statt.
Bei der Kranzniederlegung in Schöneiche, die von der Gemeinde organisiert wurde, nahmen zwischen 50 und 60 Personen teil. Schweigend legten der Bürgermeister, die Fraktion der Linken und viele andere Menschen Kränze und Blumen am Denkmal auf dem Platz des 8. Mai nieder.

In Erkner organisierte die Linkspartei eine Kranzniederlegung am Denkmal für die gefallenen sowjetischen Soldaten an der ungefähr 20 Personen teilnahmen. Es wurde eine Rede gehalten, in der den Befreiern gedankt und auf die Aktualität des Kampfes gegen Nazis verwiesen wurde.
Der Bürgermeister bzw. die Stadt Erkner hielten es nicht für nötig an der Veranstaltung teilzunehmen oder wenigstens einen Kranz niederzulegen.

1. Mai in Woltersdorf

Am 1. Mai veranstaltete „Die Linke“ auf der Maiwiese in Woltersdorf ihr alljährliches Fest, bei dem auch wir, die Antifa Erkner, mit einen Informationsstand präsent waren. Bei strahlender Sonne verteilten wir Informationsbroschüren und Aufkleber. Außerdem wurde die gerade gestartete Kampagne „Keine Stimme den Nazis“ vorgestellt und T-Shirts mit deren Logo verkauft.

Es gab z.B. Informationen über Nazis und antifaschistischen Widerstand in der Region, sowie über die bei Nazis beliebte Modemarke „Thor Steinar“. Viele Menschen besuchten den Stand und diskutierten mit uns über Nazis und alltäglichen Rassismus in der Gesellschaft. Es wurde uns von vielen Menschen Erfolg und Ausdauer im Kampf gegen rechts gewünscht. Vor allem ältere Menschen zeigten sich erfreut über eine engagierte antifaschistische Jugend.

Gegen 16.30, als das Fest bereits zu Ende und die meisten Menschen schon auf dem Heimweg waren, tauchten an der Maiwiese drei junge Männer auf, die Aufkleber der JN und von den sogenannten „Freien Nationalisten“ verklebten. Diese wurden aber von uns umgehend entfernt, woraufhin die Drei anfingen, mit uns zu diskutieren. So meinten sie, Linke und Rechte sollten sich doch zusammentun, um gegen den Kapitalismus zu kämpfen. Auf diese plumpe Querfront-Argumentation gingen wir jedoch nicht ein, sondern forderten die Nazis auf, zu verschwinden. Daraufhin wurden die Drei aggressiv, beschimpften uns als „Hurensöhne“ und bedrohten anwesende Personen. Es blieb aber bei einer verbalen Auseinandersetzung.
Sie waren ungefähr zwanzig Jahre alt, einer trug eine Jacke von „Thor Steinar“ und die beiden anderen T-Shirts mit eindeutig rechtextremer Symbolik und Slogans.

Erkner: Übergriff am Herrentag

Augenzeugen zufolge soll sich am 1. Mai, in diesem Jahr auch „Herrentag“, ein rechtsextremer Übergriff ereignet haben. So griff eine Gruppe von ungefähr zehn Nazis in der Erkneraner Friedrichstrasse einen Fahrradfahrer an, zerrte ihn vom Rad und verprügelte ihn. Das Opfer konnte sich losreissen und weglaufen, wurde von den Nazis jedoch wieder eingeholt und schwer zusammengeschlagen. Der Grund für den Angriff ist nicht bekannt. Einige der Täter sollen nicht bestätigten Angaben zufolge Kleidung mit Aufdrucken der „Kameradschaft Oder-Spree“ getragen haben.