Archiv für Juni 2009

NPD-Anhänger bedrohen Schöneiches Bürgermeister

Am Sonntag, dem letzten Tag des Heimatfestes in Schöneiche, ging es noch einmal heiß her. Nachdem am Samstag ein Stand der NPD für Unmut sorgte, wurde am nächsten Tag der Bürgermeister Heinrich Jüttner von zwei Personen aus dem NPD-Umfeld bedrängt. Jüttner erstattete Anzeige wegen Nötigung und Beleidigung.

Sonntag Nachmittag fand das Pokalfinale des Fußball-Landesverbandes Brandenburg zwischen Germania Schöneiche und dem SV Babelsberg 03 statt. Im Vorfeld des Spieles gab es in der Gemeinde Streit um den Ort und die Zeit des Spiels. Bürgermeister Jüttner hatte Bedenken, dass „randalierende Fans das Heimatfest stören könnten“, und wollte das Spiel auf 17 Uhr bzw. gleich nach Luckenwalde verlegen. Wo man die randalierenden Fans vermutete, wurde beim Betreten des Sportplatzes schnell klar: Die Seite der Babelsberg-Fans war mit Bauzäunen eingegrenzt, die der Germania-Anhänger nicht. Auf Schöneicher Seite befanden sich mehrere Nazi-Hooligans aus dem Umfeld des BFC Dynamo und auch mehrere Ordner bei dem Spiel entstammten aus dieser Szene.

Eine Gruppe um den NPD-Ortsvorsitzenden Florian Stein in einheitlichen blau-weißen Germania-T-Shirts wohnte dem Spiel bei und erlebte die 0:1 Niederlage ihres Favoriten. Stein, Kevin Bischoff und zwei weitere Männer zogen danach weiter zum Heimatfest an der Dorfaue, um dort weiter zu trinken. Somit kann keine Rede davon sein, die NPD-ler hätten sich mit „einheitlichen T-Shirts vom Pokalendspiel von Germania Schöneiche sozusagen getarnt“, wie die MOZ am 16. Juni schrieb.

Aus dieser, zu diesem Zeitpunkt bereits stark alkoholisierten, Gruppe heraus wurde der Bürgermeister von einer Person angepöbelt. Laut einem Artikel der MOZ beleidigte der Mann Jüttner, nachdem dieser ihn gebeten hatte wegzugehen. Kurz darauf kamen zwei Männer aus der gleichen fünfköpfigen Gruppe (vier Männer und eine Frau) und redeten „heftig und aggressiv“ auf ihn ein. Jüttner fühlte sich bedroht und suchte Schutz bei einem Wachmann, was die beiden nicht hinderte weiterhin bedrohlich auf ihn einzureden. Die Polizei beendete das Treiben und nahm drei der Männer mit zur Wache.

Ganz so idyllisch wie von der MOZ geschildert verlief das Heimatfest in Schöneiche dann nicht. Stark alkoholisierten und streitsuchenden Personen sollte eigentlich der Zutritt verwehrt bleiben. Doch bereits am Samstag konnte ein gutes Dutzend Nazis des „Frontbann 24″ aus Berlin unbehelligt über das Fest streifen und am Sonntag eine volltrunkene Gruppe den Bürgermeister anpöbeln.

Ergänzung:

Im Fanforum des SV Babelsberg 03 gibt es einen interessanten Kommentar zum Spiel in Schöneiche, der Security und Andreas Kavalir.

Auf der Seite Oireszene wird über Andreas Kavalirs Vergangenheit als antirassistischer Sharp-Skin berichtet

NPD-Stand bei Heimatfest in Schöneiche

Am Samstag, den 13. Juni baute die NPD zwischen 14 und 18 Uhr einen Informationsstand vor der Sparkasse in Schöneiche auf. Der Anmelder des Standes, Andreas Kavalir, wählte Ort und Zeit sicher nicht zufällig – fand doch an diesem Wochenende auf der anderen Strassenseite das alljährliche Heimatfest statt. 20 – 30 Nazis standen, weitgehend unter sich, um den Stand herum und versuchten ihre braune Propaganda unter die Menschen zu bringen. Doch außer ihrem eigenen Umfeld konnten sie kaum jemanden für ihre krude Weltanschauung begeistern. Da der Stand relativ kurzfristig angemeldet wurde, war nicht sehr viel Zeit, Gegenaktivitäten zu organisieren. Viele Schöneicher Bürger stellten ihre Fahrräder auf dem Platz ab, an dem der Stand stattfinden sollte um diesen für die Nazis nicht oder zumindest eingeschränkt nutzbar zu machen. Die NPD-ler reagierten äußerst aggressiv auf Menschen, die ihren Protest gegen die rechte Propaganda ausdrückten, wie z.B. der Anmelder selbst oder seine Freundin Antje Kottusch. Da die Nazis aus Schöneiche und Erkner den Stand offensichtlich allein nicht durchführen wollten, hatten sie sich zahlreiche Hilfe von außerhalb geholt. Ungefähr zwei Drittel der „Standbetreuer“, waren aus einer anderen Gegend angereist. Sie kamen, soweit bekannt, aus Fürstenwalde, Strausberg und Berlin. So war auch eine Gruppe von zehn bis zwölf Kameradschafts-Nazis im 90er-Jahre-Look (Glatze, Bomberjacke, Stiefel) anwesend. Jugendliche, die die „Kein Bock auf Nazis“ – Zeitung verteilten, wurden aus dieser Gruppe heraus angegriffen, der Zeitungen beraubt und mussten zusehen, wie diese dann zerrissen wurden. Woher diese Gruppe stammte, ist unbekannt.

Nachtrag:

Wie einer rechtsextremen Internetseite zu entnehmen war, handelte es sich bei der Gruppe Kameradschaftsnazis um Mitglieder des „Frontbann 24″ aus Berlin, die von einer rechten Kundgebung gegen eine Antifademo in Bad Freienwalde kamen.

Manuela Kokott (Fürstenwalde) und Florian Stein

v.l.: Enrico R., Franz R.(dahinter), Maik B., Daniel S., Andreas Kavalir (unterm Schirm mit Basecap)

Henry M. (links) , Franz R. (3.v.l.), Kersten Radzimanowski (mitte mit Bart)

Keine NPD-Immobilie in Rauen

Das Landgericht Frankfurt/O. hat am 10. Juni den NPD-Landesverband Brandenburg verurteilt, das „Gut Johannesberg“ in Rauen zu verlassen. Das Gelände, das einer Rauener Zahnärztin und ihrem Bruder zugesprochen worden war, wurde vor rund zwei Jahren von der Ehefrau des Ex-NPD-Kaders Andreas Molau über eine schwedische Stroh-Firma gekauft. Seither dauert ein Rechtsstreit an, der auch mit dieser Entscheidung noch lang nicht zuende sein dürfte. Die NPD hat sich zwar „juristische Schritte“ vorbehalten, trotzdem steht das Gut leer und kann von den Nazis nicht genutzt werden. Hinzu kommen noch szeneinterne Streitigkeiten: Molau ist im Macht- und Richtungsstreit um die Führung der NPD unterlegen und inzwischen zur DVU gewechselt, deren Pressesprecher er jetzt ist. Außerdem wollen sich viele in der brandenburger NPD auf das Objekt in Biesenthal konzentrieren, in dem schon mehrfach rechte Veranstaltungen stattfanden. Es dürfte auch eine Frage des Geldes sein, ob sich der Landesverband, der nicht gerade als finanzkräftig gilt, zwei Objekte und einen lang andauernden Rechtsstreit leisten kann.

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