Nach NPD-Treffen wird Hotel in Grünheide boykottiert

Nachdem am 14. und 15. Januar im Grünheider Hotel „Seegarten“ eine Veranstaltung der NPD stattfand, ist selbiges nun durch ausbleibende Gäste in seiner Existenz bedroht. Regionale NPD-Strukturen solidarisieren sich.
120 Neonazis fanden sich seinerzeit zum Neujahrsempfang der NPD-Fraktionen aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ein, darunter Szeneprominenz wie der Schweriner Fraktionsvorsitzende Udo Pastörs, Bundesvorsitzender Holger Apfel und der extrem rechte Anwalt und ehemalige Berliner Landesvorsitzende der Republikaner, Carsten Pagel.
Letzterer hat sein Anwaltsbüro in Berlin-Friedrichshagen und wohnt wohl in Erkner. Er behauptete vor Jahren noch, nicht mehr politisch aktiv zu sein – sein Besuch des Neujahrsempfangs war dann wohl rein privater Natur.
Nach dem Bekanntwerden des NPD-Treffens waren viele Grünheider Bürger bis hin zum Bürgermeister Arne Christiani betroffen und erbost. Das Standesamt wurde von Christiani (parteilos) angewiesen keine Trauungen in dem Hotel mehr durchzuführen. Er wirft Geschäftsführer Detlef Kampschulte vor, aus wirtschaftlichen Gründen nicht konsequent gegen das Nazi-Treffen vorgegangen zu sein. Viele Gäste des Hotels boykottieren es nun, auch zahlreiche Firmen haben Veranstaltungen abgesagt. Auch soll der „Seegarten“, noch das größte Hotel im Ort, künftig weder im Tourismusmagazin, noch auf der Internetpräsenz der Gemeinde beworben werden.
Kampschulte wehrt sich gegen die Unterstellungen: Er habe nichts von den Hintergründen seiner Gäste gewusst, sondern sei getäuscht worden. Die Räumlichkeiten seien über einen Weinkontor angemietet worden und die Nazis wären als solche nicht zu erkennen gewesen. Wenn der Boykott in dieser Form weitergehe, werde er das Hotel zum Ende des Jahres schließen müssen. 29 Arbeitsplätze ständen dann auf dem Spiel. Das sehen viele Grünheider als gerechte Strafe an.
Florian Stein schreibt im Namen einer „Pressestelle des KV Oderland“, die sehr wahrscheinlich nur aus ihm besteht, von einer „Diffamierungskampagne“, die mit „totalitären Mitteln“ gegen das Hotel geführt werde und wünscht viel Durchhaltevermögen. Klaus Beier, Kreistagsabgeordneter der NPD im Landkreis Oder-Spree, sprach von einer „Rufmordkampagne“ des Grünheider Bürgermeisters.

Presse: MOZ / MoPo / SZ / MAZ / Nordkurier