Am Morgen des 03. November durchsuchten rund 270 Beamte in zehn Bundesländern 22 Wohnungen bzw. Häuser von 23 Beschuldigten, die im Verdacht stehen, das extrem rechte Internet-Radio „Widerstand-Radio“ zu betreiben. Das BKA bezeichnete die Männer und Frauen zwischen 20 und 37 Jahren als verdächtig „sich als Administratoren und Moderatoren sowohl durch Kommentare als auch durch das Abspielen von Musiktiteln deutscher und internationaler Skinhead-Bands mit menschen-verachtenden, rassistischen und zum Teil nationalsozialistischen Inhalten strafbar gemacht zu haben“.
Dabei wurden auch zwei Männer aus dem Landkreis Oder-Spree (LOS) in Untersuchungshaft genommen. Es handelt sich dabei um einen 33-jährigen aus Erkner und einen 26-jährigen aus FĂĽrstenwalde. Der 33-jährige ist lokalen Antifaschist_Innen zufolge schon länger mit vielen Mitgliedern der NPD-Schöneiche und anderen Gruppen bekannt, auch seine Einbindung in ĂĽberregionale Nazi-Musiknetzwerke wurde bereits vermutet. Er stellt ein klassisches Beispiel fĂĽr die braune Musikszene, die sich nicht auf Demonstrationen des „Nationalen Widerstands“ blicken lässt, sondern ihre Aktivitäten auf die Organisation und den Besuch von rechten Musik-Events sowie auf das Engagement in Internetplattformen konzentriert, dar.
Tag-Archiv für 'făĽrstenwalde'
Am Samstag, den 13. Juni baute die NPD zwischen 14 und 18 Uhr einen Informationsstand vor der Sparkasse in Schöneiche auf. Der Anmelder des Standes, Andreas Kavalir, wählte Ort und Zeit sicher nicht zufällig – fand doch an diesem Wochenende auf der anderen Strassenseite das alljährliche Heimatfest statt. 20 – 30 Nazis standen, weitgehend unter sich, um den Stand herum und versuchten ihre braune Propaganda unter die Menschen zu bringen. Doch auĂźer ihrem eigenen Umfeld konnten sie kaum jemanden fĂĽr ihre krude Weltanschauung begeistern. Da der Stand relativ kurzfristig angemeldet wurde, war nicht sehr viel Zeit, Gegenaktivitäten zu organisieren. Viele Schöneicher BĂĽrger stellten ihre Fahrräder auf dem Platz ab, an dem der Stand stattfinden sollte um diesen fĂĽr die Nazis nicht oder zumindest eingeschränkt nutzbar zu machen. Die NPD-ler reagierten äuĂźerst aggressiv auf Menschen, die ihren Protest gegen die rechte Propaganda ausdrĂĽckten, wie z.B. der Anmelder selbst oder seine Freundin Antje Kottusch. Da die Nazis aus Schöneiche und Erkner den Stand offensichtlich allein nicht durchfĂĽhren wollten, hatten sie sich zahlreiche Hilfe von auĂźerhalb geholt. Ungefähr zwei Drittel der „Standbetreuer“, waren aus einer anderen Gegend angereist. Sie kamen, soweit bekannt, aus FĂĽrstenwalde, Strausberg und Berlin. So war auch eine Gruppe von zehn bis zwölf Kameradschafts-Nazis im 90er-Jahre-Look (Glatze, Bomberjacke, Stiefel) anwesend. Jugendliche, die die „Kein Bock auf Nazis“ – Zeitung verteilten, wurden aus dieser Gruppe heraus angegriffen, der Zeitungen beraubt und mussten zusehen, wie diese dann zerrissen wurden. Woher diese Gruppe stammte, ist unbekannt.
Nachtrag:
Wie einer rechtsextremen Internetseite zu entnehmen war, handelte es sich bei der Gruppe Kameradschaftsnazis um Mitglieder des „Frontbann 24″ aus Berlin, die von einer rechten Kundgebung gegen eine Antifademo in Bad Freienwalde kamen.
Manuela Kokott (FĂĽrstenwalde) und Florian Stein
v.l.: Enrico R., Franz R.(dahinter), Maik B., Daniel S., Andreas Kavalir (unterm Schirm mit Basecap)
Henry M. (links) , Franz R. (3.v.l.), Kersten Radzimanowski (mitte mit Bart)
Der Wahlkampf fing fĂĽr die extreme Rechte im Landkreis schon fast vier Monate vor der Kommunalwahl an. Es begann mit der propangandistischen Ausschlachtung eines Vorfalls an der „Johannes-R.-Becher“-Schule Ende Mai, bei dem es zu einer Auseinandersetzung zwischen Berliner Jugendlichen tĂĽrkischer Herkunft und eingeborenen Jugendlichen kam. Dies wurde in der rassistischen Diktion der NPD unter der Ăśberschrift „Ausländisches Schlägerkommando verprĂĽgelt SchĂĽler in Erkner“ aufgeblasen. Es wurden in ganz Erkner Flugblätter und NPD-Zeitungen gesteckt und Material vor der Schule selbst verteilt. Offensichtlich ein Thema wie gemacht fĂĽr die NPD, konnte man doch so gegen die so genannten „kriminellen Ausländer“ hetzen und tief sitzende Vorurteile bedienen. (mehr…)